Chronik

Chronik der TSG-Handballabteilung

 

Man schrieb den 12. März 1885, jenen denkwürdigen Tag, an dem sich 35 Personen in der Gaststätte „Paradiesgarten" versammelten und der mit der Gründung des Turnverein Lechhausen (TVL) enden sollte.

 

Man war sich einig, ausschließlich turnerisch tätig zu sein und so entstand der Turnverein Lechhausen. Zum Vorstand wurde Patrizius Wittmann gewählt. Als Turnstätte dienten Saal und Garten des „Paradiesgartens", ehe im Jahr 1891 mit dem Bau einer Turnhalle, deren Kosten sich auf 15.000 Mark beliefen, begonnen wurde. Die feierliche Einweihung dieser Sportstätte, verbunden mit der Fahnenweihe, fand dann bereits ein Jahr später anno 1892 an der Schillstraße 21 statt.

 

Ende des ersten Weltkrieges, im Jahr 1917, entstand dann ein eigener Sportplatz an der Linken Brand-Straße, ehe im Jahr 1929 ein weiteres Sportgelände an der Stätzlinger Straße erworben wurde.

 

1918 allerdings taten sich fußballbegeisterte Jungs zusammen und bildeten innerhalb des Turnvereins Lechhausen eine Spielgemeinschaft, der sich nach Beendigung des Krieges auch die zurückgekehrten Fußballer des FC Lechhausen anschlossen. Gespielt wurde in der Folgezeit, genau ab dem Jahr 1919, unter dem Namen FC Union im TVL.

 

Es folgte ein ungeahnter Aufschwung dieser Abteilung und so konnte im Jahr 1923 die Meisterschaft der A-Klasse und zugleich die Meisterschaft im Kreis Südbayern, der den Aufstieg in die zweite Klasse garantierte, errungen werden. Infolge der von höherer Stelle verfügten Trennung zwischen Turnen und Sport löste sich 1924 die Fußballabteilung und wurde zum selbstständigen FC Union.

 

1925 kam bei den Fußballern der Gedanke auf sich auch mal mit dem Feldhandball zu beschäftigen. Ein erstes Freundschaftsspiel wurde im Oktober 1925 gegen den damaligen TV Augsburg auch gleich ausgerichtet. 1926 folgten nochmals 2 Freundschaftsspiele. Die Begeisterung war so groß, dass ab Mai 1927 an der Feldhandball-Meisterschaft der Schwäbischen Turnerschaft teilgenommen wurde.

Das Handballspielen machte den mitwirkenden Herren so viel Freude, dass sie beschlossen, eine eigene Abteilung zu gründen. Abteilungsleiter wurde Lorenz Habersetzer, der zusammen mit den Sportkameraden Hans Pfeifer, Eugen Rauschmaier, Federle, Happacher, Stöhr, Blümelhuber und Pritzelmeier die erste Mannschaft bildeten.

 

Schon im Jahr 1929 erfolgte der Aufstieg in die südbayerische Handball-Meisterklasse. Bei den Aufstiegsspielen zu bayrischen Meisterklasse belegten sie den 3. Platz. 1931 und 1932 konnte die Stadtmeisterschaft errungen werden.

 

1934 schloss sich der FC Union wieder mit dem Turnverein Lechhausen zusammen, unter dem neuen Namen „Turn- und Sport-Union 1885 Augsburg“.

Unter der damaligen Führung von Michael Hofmann entstand dann 1937/38 auch der neue Sportplatz an der Stätzlinger Straße mit einer Mitgliedereigenleistung von über 20.000 freiwilligen Arbeitsstunden.

 

Im Jahr 1938 stand die TS Union auf ihrem Höhepunkt. Neben der Turn, Fußball und Handballabteilung, gab es noch die Abteilungen: Faustball, Leichtathletik, Ski- und Bergsteiger, Tischtennis und eine Sängerriege.

 

Die Schwierigkeiten, die in Fortsetzung des Krieges zu Tage traten, veranlassten die maßgebenden Männer der Lechhauser Vereine, einen erneuten Zusammenschluss zu wagen. Dieser kam dann auch im April 1941 zustande und man einigte sich auf den Namen „Turn- und Sportgemeinschaft Augsburg".

 

Dem Aufwärtstrend der TSG wurde aber bereits im Jahr 1944 wiederum ein jähes Ende gesetzt, als bei dem schweren Luftangriff auf Augsburg unseren Sportanlagen erhebliche Schäden zugefügt wurden. Der Hauptanziehungspunkt der Sportler war dann wieder der Sportplatz an der Stätzlinger Straße.

 

Nach Beendigung des Krieges ging man aber sofort mit viel Energie an den Wiederaufbau des Vereins.

Im Zuge der damaligen Entwicklung des Vorortes Lechhausen nach Norden fassten die verantwortlichen Männer der TSG den Entschluss, das doch etwas abseits gelegene Sportgelände an der Stätzlinger Straße abzustoßen und im Tauschwege mit der Stadt ein neues Gelände an der Schillstraße zu erwerben. Hier nun entstand in fast dreijähriger Bauzeit ein neuer und schmucker Sportplatz mit den nötigen Nebenfeldern.

 

Ab 1946 wurde bei der TSG wieder Handball gespielt. Die erste Mannschaft wurde der Kreisklasse zugeteilt. Von dort kämpfte man sich aber wieder nach oben. 1951 wurde die Mannschaft Landesmeister der südbayerischen Landesklasse. Von 1951 bis 1954 wurde zudem der schwäbische Meistertitel erkämpft.

 

Durch Verjüngung der Mannschaft, Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre, konnte an den Erfolg der letzten Jahre nicht mehr angeknüpft werden, was den Abstieg bis zur Kreisklasse 1962 zur Folge hatte.

 

Ab 1967 erlebte die Handballabteilung einen Wandel. Das Interesse ging immer mehr vom Großfeldhandball zum schnelleren Kleinfeldhandball über.

 

Es kam das Jahr 1969, jenes Jahr, das als Meilenstein und Wendepunkt in der TSG-Geschichte eingehen sollte. Nicht nur die erste Mannschaft der Handballer schaffte den Wiederaufstieg in die Bezirksklasse, sondern auch die Vorstandschaft, die sich schon länger mit dem Gedanken, ein neues Sport- und Freizeitzentrum zu errichten, getragen hatte, erhielt anlässlich der Generalversammlung endlich grünes Licht für die Verwirklichung dieses Planes.

 

Es wurde ein Bauausschuss gebildet, dem die Herren Vogg, Huber, Liebig, Egger, Schuster, Krenn und Blöchlinger angehörten.

 

Das Projekt selbst - bestehend aus einer Sporthalle, einem Vereinsheim mit Kegelbahnen sowie einer Schützenanlage - sollte in drei Bauphasen verwirklicht werden. Leider dauerte es dann bis November 1971, ehe der Grundstein gelegt werden konnte. Das Gelände an der Schillstraße 109 verwandelte sich fortan in eine riesige Baustelle.

 

Im selben Jahr spielte die TSG Handballer ihr letztes Bezirksligapunktspiel gegen Günzburg auf dem Großfeld. Dass es nach dem Schlusspfiff keine weitere Großfeldsaison in Schwaben geben sollte, war da noch nicht bekannt und traf aber dennoch viele der Spieler mitten ins Herz.

 

Am 21. Juli 1972 war es dann endlich soweit und im Rahmen eines Festaktes wurde die neue Dreifach-Sporthalle mit all seinen Einrichtungen feierlich eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Eine neue Ära war angebrochen, dem Hallenhandball stand nichts mehr im Wege.

 

In der Hallensaison 1971/72 gelang der Aufstieg in die Schwäbische Bezirksklasse, den man im Jahr 1974 mit der schwäbischen Meisterschaft auf dem Kleinfeld und damit dem Aufstieg in die Landesliga krönte. 1976 musste jedoch der Abstieg hingenommen werden.

 

Die erste Damenmannschaft erreichte 1977 den Aufstieg in die Bezirksliga. Dort konnte man 1978 und 79 den Meistertitel erringen. Der Aufstieg in die Oberliga wurde aber verpasst. 1978 und 1979 sicherte sich diese Mannschaft aber den schwäbischen Pokalsieg und 1981 wurde die Kreismeisterschaft auf dem Kleinfeld erzielt.

Das Interesse am Damenhandball entwickelte sich immer weiter, so dass bereits 1980 eine zweite Mannschaft am Spielbetrieb teilnahm.

 

Die erste Männermannschaft spielte weiter in der Bezirksliga, die höchste schwäbische Spielklasse. 1981 konnte der Titel des schwäbischen Pokalsiegers errungen werden.

Der große Einbruch kam für diese Mannschaft in der Saison 1983/84. Ohne einen Pluspunkt stieg sie in die Kreisklasse A ab.

 

Die Handballabteilung hatte zu diesem Zeitpunkt einen beachtlichen Aufschwung hinter sich. Aus der Keimzelle von drei Mannschaften, der „Ersten“, einer „Reserve“ und einer männlichen A-Jugend hatte sich in fünfzehn Jahren eine aufstrebende Abteilung mit drei Männer-, zwei Frauen- und fünf Jungen-Teams sowie einer weiblichen Jugend-Mannschaft entwickelt.

 

Diverse Meister- und Vizemeistertitel wurden errungen: Die Männer spielten zu ihrer Blütezeit auf dem Kleinfeld in der Landesliga und in der Halle in der höchsten schwäbischen Spielklasse, der Bezirksliga. Auch das Frauenteam zählte fast ein Jahrzehnt zur schwäbischen Spitzenklasse.

 

Auch die Junioren waren zu dieser Zeit sehr erfolgreich. Mehrere Schwäbische Meister konnten in den 70iger und 80iger Jahren verbucht werden. Außerdem konnte fasst jede Jugendmannschaft einen Auswahlspieler verbuchen. Manche sogar mehr. So schaffte es zum Beispiel die komplette B-Jugend aus dem Jahr 1988 den Sprung in die Auswahl.

 

Etliche der Nachwuchsspieler suchten nach ihrer Zeit bei der TSG die Herausforderung in höher klassigen Vereinen. Etliche von ihnen landeten in der 2. Bundesliga, ein Paar sogar in der 1. Bundesliga. Es gab auch Jugend Nationalspieler, die an Europameisterschaften teilnahmen.

Alexandra Kubasta, war 2007/08 im Champions-League Kader des 1. FC Nürnberg und errang mit dem „Club“ 2008 die deutsche Meisterschaft.

Auch einige ehemalige Trainer der TSG führte ihr Weg weiter in die 2. und 1. Bundesliga.

Herbert Müller gewann acht Deutsche Meisterschaften mit den Frauenteams des 1. FC Nürnberg und des Thüringer HC. Zudem trainiert er seit 2004 sogar die österreichische Damen Nationalmannschaft.

 

Ende der 80er begann der Abstieg der TSG. Trotz eines zweiten Ranges in der Bezirksliga zerfiel 1990 die 1. Frauenmannschaft. Die 2. Damenmannschaft sprang zunächst für sie in der A-Klasse ein, doch 1994 kam für dieses Team ebenfalls das Aus. Auch für die 1. Herrenmannschaft zeichnete sich das Ende ab. Nach dem Bezirksligaabstieg 1984 wanderten einige Nachwuchsspieler zu den Spitzenteams der Umgebung ab. Etliche Talente der A- und B-Jugend waren bereits zuvor abgeworben worden. Der Abstieg 1995 in die B-Klasse brachte das endgültige Ende. Lediglich ein AH-Team, die sog. „1b“, hielt die TSG-Fahne weiter hoch und blieb dank ihrer guten Kameradschaft bis zum Jahre 1999 im normalen Spielbetrieb.

 

Jugendarbeit war wieder angesagt, da nur noch drei Mannschaften im Spielbetrieb standen: die 1b, die ehemalige 2. Frauenmannschaft und eine männliche D-Jugend, die aber zusehends schwächelte und deshalb ein Jahr lang ein paar Mädchen als Aufbaumedizin verordnet bekam. Zwei Jahre später, 1994, war ein Umschwung zum weiblichen Bereich festzustellen. Zwei Mädchenteams versuchten in einer C- und D-Jugend zu Spielspaß und Punkterfolgen zu kommen.

 

In den folgenden acht Jahren zeigten die Mädchenmannschaften der TSG Augsburg in und außerhalb Schwabens ihr Können. Die Trainingsarbeit basierte zwar nur auf wenigen Schultern, aber sie war recht erfolgreich: Zahlreiche Schwäbische Meisterschaften konnten errungen werden und als Höhepunkt wurde der B-Jugend zweimal der Bayerische Meister Wimpel überreicht. Einmal stand man sogar im Süddeutschen B-Jugend-Endspiel.

 

2002 bildeten die ersten „groß gewachsenen“ Zöglinge von Willi Kubasta wieder ein Frauenteam bei der TSG, das nach zwei weiteren Jahren den Aufstieg in die Bezirksoberliga schaffte. 2008/2009 erspielte die Damenmannschaft den schwäbischen Meistertitel und durfte somit in die Landesliga Süd aufsteigen. Grundlage hierfür war sicherlich auch die intensive Nachwuchsarbeit, da die Mannschaft als weibliche A-Jugend zwei Saisonen in der Bayernliga spielte und sie auch im Beachhandball zu bayerischen Meisterehrungen kamen.

Höhepunkt dieser Entwicklung bei den Frauen waren dabei zwei Vizemeisterschaften in der Landesliga Süd und eine Saison in der Bayernliga.

 

Im männlichen Bereich lag der Großteil der Aufbauarbeit in den Händen von Bernd und Andreas Kastner. Bernd formte von 2005 bis 2010 aus der damaligen C-Jugend eine Männermannschaft. Ab 2008 bekam er Unterstützung von seinem Bruder Andreas. Nach dem Ausscheiden von Bernd übernahm Andreas die Männer, bis heute.

 

In der Saison 2016/2017 nahmen fünf Mannschaften am geregelten Spielbetrieb im Handball teil. Außer der 1. Männermannschaft, die heuer den 5. Platz in der Bezirksklasse erreichten, gab es seit langem wieder eine 1b die sich in der Bezirksklasse den 10. Platz holte. Drei aktive Frauenmannschaften liefen ebenfalls in den Farben der TSG Augsburg auf. Die 1. Damenmannschaft kam in der Bezirksoberliga auf einen ordentlichen 5. Platz. Die Damen 2 und 3 nahmen in der Bezirksklasse den 4. und 2. Platz ein.

 

Viel Erfolg auch in der nächsten Saison

 

 

 

Abteilungsleiter von 1927 bis heute:

 

1928 – 1929 Lorenz Habersetzer

1929 – 1932 Hans Pfeifer

1933 – 1936 Georg Bauersmann

1946 – 1947 Schnarr , Gabriel Ulrich

1948 Karl Artner

1949 – 1950 Gabriel Ulrich, Mair, Reiner, Kobs

1951 – 1953 Karl Artner

1954 – 1960 Anton Habesreiter

1961 – 1962 Karl Artner

1963 – 1966 Josef Lechner

1967 Kommissarische Abteilungsleitung

1968 Adolf Hillenbrand

1969 – 1978 Werner Gleich

1979 Heinz Schweiger

1980 – 1983 Gerhard Bayerl

1984 – 1989 Brigitte Macher

1990 – 1991 Dieter Habersetzer, Gerhard Boppel, Wilhelm Kubasta

1992 – Wilhelm Kubasta